Endart e.V. & SPZ, Sucht- und Drogenberatung Düren

 - MPU Vorbereitung -

Am Dienstag, den 25. 11. 2014 um 18.00 Uhr fand im Café der Endart im Rahmen der Aktionstage "Sucht hat immer eine Geschichte" die diesjährige MPU-Informationsveranstaltung statt.

Die Veranstaltung befaßte sich mit folgenden Themen:

  1. Rückblick: 10 Jahre MPU-Vorbereitung Düren
  2. Vortrag vom Referenten Diplom-Psychologe Herr Christian Müller, Gebietsleiter der TÜV Nord AG Rheinland und Ruhrgebiet rund um die MPU
  3. Diskussion: MPU - Strafe oder Chance

Neben Wilfied Pallenberg (1. Vorsitzender des Endartvereins) und Frau Zaunbrecher (Projektleiterin) stellte sich Herr Siever (Kursleitung) und unsere neue Kollegin Frau Sabine Karutz vor. Frau Karutz leitet im Wechsel mit Herrn Siever die Kurse des Angebotes Nr.I

Frau Zaunbrecher gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Projekts:

Die Schulung zur Vorbereitung auf die MPU wird seit 2000 - mit dem aktuellen Konzept seit 2004 - durch den Endart-Verein in Kooperation mit dem SPZ Düren angeboten. Das Angebot bietet folgende Besonderheiten:

  • Die Teilnehmer arbeiten in geschlossenen, alters- und geschlechtshomogenen Gruppen. Dadurch ist ein themenzentriertes, auf die Lebensrealität der Teilnehmer abgestimmtes Arbeiten möglich. Die festen Gruppen ohne Fluktuation fördern Vertrauen und Sicherheit in der Gruppe.
  • Vor Kursbeginn finden mindestens drei Einzelberatungen statt. Dies dient der genauen Diagnostik und dem Beziehungsaufbau zur Kursleitung. Vertrauen zur Kursleitung vermindert die anfänglich häufig bestehende Unsicherheit bezüglich der für viele Teilnehmer fremden Gruppensituation.
  • Verkürzte Laufzeit des Kurses (vier Monate). Zum Ausgleich findet während des Kurses ein ganztägiges Intensivseminar statt. Dadurch passt der Kurs besser in die individuellen Planungen und kann in kürzeren Abständen angeboten werden.
  • Im Anschluss an den Kurs können die Teilnehmer 1 x monatlich eine "Stabilisierungsgruppe" besuchen. Die Teilnahme ist freiwillig und dient der Vertiefung der gelernten Inhalte bzw. beschäftigt sich mit aktuellen Nöten und Ängsten der Teilnehmer
  • Im Laufe der Jahre ist das Kursangebot erweitert worden durch ein speziell konzipiertes Angebot für Frauen und für Menschen mit einer behandlungsbedürftigen Suchterkrankung (Angebot Nr. II und Nr. III)
  • Alle Teilnehmer haben ihre Abschlussgespräche bei der Projektleiterin. Die Abschlussgespräche sind eine Art  "Generalprobe" und finden kurz vor dem MPU-Termin statt. In 2013 konnten wir für zwei Kurse das Angebot Nr IV, der Kompaktkurs für drogen- und alkoholauffällige Kraftfahrer ab 35 Jahren ohne behandlungsbedürftige Suchtproblematik anbieten. In 2014 ging dies leider nicht, wir hoffen aber, dieses Angebot ab 2015 wieder bereitstellen zu können.

Die Teilnehmerzahlen sind von Jahr zu Jahr gestiegen. Seit 2011 haben die Zahlen sich auf einen von uns maximal zu leistenden Höchststand von durchschnittlich 75 Personen eingependelt. Der Hauptanteil fällt dabei von je her auf das Kursangebot für junge Männer.

 

Im Anschluss an die Ausführungen von Frau Zaunbrecher begann

Herr Diplom-Psychologe Christian Müller 

 

mit seinem Vortrag über die MPU. Er schilderte den Ablauf, die medizinischen und psychologischen Voraussetzungen, die für eine positive Begutachtung erfüllt werden müssen und griff einige Vorurteile rund um die MPU auf, um deren Entstehung zu erklären und anschließend zu entkräften. 

 

Vor der MPU:

  1. die "Erprobungszeit" muss abgeschlossen und der Diagnose entsprechend ausreichend lange sein. Das bedeutet häufig, dass der zu Begutachtende eine einjährige Abstinenz nachgewiesen hat. Die Nachweise können entweder über Haaranalysen oder Urinkontrollen bei einem akkreditiertem Labor erbracht werden. Die abgegebenen Haare dürfen nicht gebleicht oder getönt sein, bei Drogen maximal 6 cm (für 6 Monate), bei Alkohol 3 cm lang sein. Bei Drogenabstinenznachweisen wird auch nach aktuellen Designerdrogen gesucht, z.B. "Badesalz".
  2. der zu Begutachtende hat sich ausreichend mit seinen persönlichen Konsummotiven auseinander gesetzt und wirksame Rückfallvermeidungsstrategien entwickelt. Die inhaltliche Aufarbeitung geschieht sinnvollerweise in einer Vorbereitungsmaßnahme.

Während der MPU:

  1. bei der medizinischen Untersuchung wird geprüft, ob medizinische Eignungsbedenken vorliegen.
  2. beim "Reaktionstest" zeigt sich, ob das Reaktionsvermögen ausreichend ist.
  3. beim bis zu 60 Minuten dauernden Gespräch bespricht der Gutachter bzw. die Gutachterin mit dem zu Begutachtenden die Hintergründe z.B. der Trunkenheitsfahrt, der frühere Umgang mit Alkohol oder Drogen, was konkret verändert wurde und wie man sich in Zukunft vor einem Rückfall in alte Konsummuster schützen möchte.

Nach der MPU:

  • das vorläufige Ergebnis wird am Untersuchungstag mitgeteilt. Wenn alle Befunde vorliegen wird das Gutachten erstellt. Bei einem positiven Gutachten kann der Führerschein (wenn von der Straßenverkehrsbehörde keine neuen Prüfungen angeordnet werden) innerhalb weniger Tage abgeholt werden.
  • bei einem negativen Gutachten werden Empfehlungen ausgesprochen, z.B. eine Vorbereitungsmaßnahme zu besuchen oder eine Entwöhnungsbehandlung in Anspruch zu nehmen. Wenn der zu Betroffene sich den Empfehlungen entsprechend verhält, wird er bei der nächsten Begutachtung sehr wahrscheinlich positiv begutachtet.

 

So entsteht übrigens auch das Gerücht: "Beim ersten Mal fällt man immer durch!" Beim ersten Mal fällt man nur dann durch, wenn man unvorbereitet zur MPU geht, beim nächsten Mal ist man - den Empfehlungen entsprechend - ja vorbereitet und besteht. Deshalb ist es sehr sinnvoll, sich direkt gründlich vorzubereiten.
Am Ende des Vortrages hatten die Besucher die Möglichkeit, ihre Fragen an Herrn Müller zu stellen. 
Wir freuen uns, auch im nächsten Jahr Herrn Müller wieder in unserm Haus begrüßen zu dürfen.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde mit dem Publikum die Frage diskutiert, ob die MPU-Anordnung als Strafe oder Chance erlebt wurde.

 

Die Strafe.....


oder die Chance.....